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Wo ist die Party? Carlsberg ortet mit GPS und Online-Tools
Der Braugigant Carlsberg hat in Schweden mit Where´s the Party eine Webseite gestartet, die eigentlich ein Radar ist: Mit der Handyapplikation auf der Webseite bleiben die angemeldeten Nutzer per GPS-Verortung in Kontakt und werden mit Twitter- und Facebook-Accounts verbunden. Partys im Umkreis des eigenen Standortes werden dem Nutzer angezeigt sowie andere Leute, die dorthin gehen. Auf Wunsch selektierbar nach Geschlecht, Beziehungsstatus und musikalischen Vorlieben. In Deutschland gibt es übrigens auch eine Seite, über die man erfährt, wo die nächste Party in der Nähe steigt und wer sonst noch dort hingeht und auf was diese Personen stehen. Unsere.
Boombox: State-of-the-Art-Bühnenaufbau für Festivals
Ende 2008 haben wir die besten Event-Visualisierungen des Jahres vorgestellt, jetzt geht die Boombox noch einen Schritt weiter. Mit diesem Bühnenaufbau haben die Festivalgäste nun wohl endgültig das Gefühl, in einem 3D-Kino zu feiern. 16 Meter breit, acht Meter hoch und sechs Meter tief ist das Gebilde, das von der britischen Firma Godskitchen konzipiert wurde. Unter anderem wird Armin van Buuren auf dem diesjährigen Global Gathering das visuelle Monstrum bespielen. Da darf dann aber kein Mixfehler passieren…
Status quo der Medienlandschaft: Kompakter Vortrag von Clay Shirky
Kein anderer Internet-Denker unserer Zeit bringt die Dinge so auf den Punkt wie Clay Shirky (wir haben hier schon mal einen Vortrag präsentiert), der nie müde wird zu betonen, dass Technologie immer erst dann gesellschaftlich interessant wird, wenn sie technisch schon wieder fast “boring”, also langweilig geworden ist. Siehe die gegenwärtige Nutzung von Twitter rund um die Wahlen im Iran. Shirky selbst verdeutlicht dies am Beispiel des verheerenden Erdbebens in China 2008, wo Neuigkeiten über das Ereignis über Twitter augenblicklich bekannt wurden, während es beim vorherigen Beben in China noch drei Monate gedauert hatte. Ein kompakter Vortrag, in dem Shirky deutlich macht, dass die Anwendung neuer Medientechnologien die Menschen ermächtigt, wie es noch keine Epoche zuvor erlebt hat. Word.
Mehr davon: www.ted.com
United Respect: Satelliten-Event auf der Kölner Spielemesse gamescom
United Respect (wir haben das Mega-Event mit News und Bildern dokumentiert) geht in die nächste Runde und präsentiert sich ihm Rahmen der Spielemesse gamescom, die vom 19. bis 23. August 2009 zum ersten Mal Einzug in Köln hält. Am Samstag, 22. August, sollen in der LANXESS arena 12.000 Games-Begeisterte mit einem Superstar-Lineup gelockt werden: David Guetta (der aktuell mit der Single „When love takes over“ zusammen mit Destiny´s Child-Mitglied Kelly Rowland die Charts erobert), Axwell von der „Swedish House Mafia“, die wie Guetta´s Partyreihe F*** Me I´m Famous wöchentlich im Pacha auf Ibiza gastiert, sowie Hell, Gründer und Inhaber von International Deejay Gigolos und ausgewiesener Disco-Soundexperte.
Die Macher der Unitedrespect versprechen zudem “eine unglaubliche Inszenierung an Light-, Pyro- und Soundtechnik” sowie eine 30 Meter breite Bühne – mit integriertem VIP-Bereich und eigenem Dancefloor – und inszeniert durch Rück-Projektionen und LED-Flächen. Ein dickes Event also, dass für einen indoor eher wenig bespielten Monat wie den August ins Haus steht. In Kürze mehr auf virtualnights!Mehr Infos: www.unitedrespect.de
125 Stunden aufgelegt: DJ Alan D bricht Weltrekord
Da kann kein Sven Väth dieser Welt mithalten: Satte 125 Stunden hatte der Schotte Alan D hinter den Decks verbracht, bis er am 13. Juni die letzte Platte auf den Teller seiner Residency, der Zico Bar in Wishaw (Schottland), legte. Auch ein Weg, sich aus der Anonymität der “Grundversorger-DJs” abzuheben. Alan D durfte, so sah es das Reglement vor, fünf Minuten pro Stunde pausieren. Die sparte er sich zwischenzeitlich auf, sodass er einmal für zwei Stunden die Augen zumachen konnte. Bleiben immer noch fast drei Tage wach übrig, und das zweimal hintereinander! Die Erlöse, die im Rahmen dieser musikalischen wie körperlichen Grenzerfahrung zusammenkamen, gehen an die britische Krebsforschung. Den bisherigen Rekord – immerhin bereits 116 Stunden – hielt der zypriotische DJ Gee Papa. Vielleicht sollte man auf Berliner Afterhours einfach mal einen Notar platzieren. Dort vergeht die Zeit mitunter so im Fluge, dass der Rekord quasi en passant gebrochen werden könnte…
Musik wird mobil, on demand, flüchtig kreativ: Richie Hawtin auf dem International Music Summit, Ibiza
Aus gegebenem Anlass hier der spannendste Teil des einstündigen Keynote-Interviews auf dem International Music Summit mit Richie Hawtin. Jeder, der mit Musik, digitalem Vertrieb, neuer Technologie und Communitybildung zu tun hat, kriegt hier einen kompakten Leitfaden an die Hand, for free. Während die Branche noch über digitale Downloads, 360-Grad-Deals und Emotionalisierung von Brands diskutiert, geht der DJ, Künstler, Produzent und Labelmacher schon mal vor und zeichnet ein sehr deutliches Bild, wie er sich die nahe Zukunft der Musikwelt vorstellt: mobil, on demand, mit flüchtiger Kreativität: “I do not know why people wanna control and sell pieces of digital records like there´s something to put on your hard drive. It´s coming, it´s consumed and then it´s gone. And it´s what you do with it when you consume it when you have the moment of creativity what is important. In that becomes the next step of that piece of media… when you make a song, release a track, that´s the parent, and as soon as someone does something to that it becomes the child or the sibling, and then it continues on its own life. You cannot control that any more. Someone´s gotta get payed here and there but stop trying to control everything. We´re holding back creativity – it is not gonna get any easier and not gonna gonna get any slower.” Dem ist nichts hinzuzufügen.
Das gesamte Interview und weitere Panel-Videos vom IMS Ibiza hier.
International Music Summit 2009: das virtualnights-Review
Jetzt liegt er schon wieder hinter uns, der International Music Summit auf Ibiza, der 2009 zum zweiten Mal stattfand. virtualnights erlebte drei aufschlussreiche Tage im Gran Hotel am Hafen von Eivissa. Back to Business: Dem Motto, das die Veranstalter rund um DJ-Legende Pete Tong (hier ein virtualnights-Interview aus 2008) dem Event auf die Fahnen geschrieben hatten, wurden die zahlreichen Panels, Interviews und Sonderveranstaltungen allesamt mehr als gerecht. Mit wem man auch sprach, jeder der 400 Konferenzteilnehmer schien vom Niveau der Konferenz begeistert: “Miami ist Party, IMS ist Business”, brachte es Louis Puig vom Space Miami auf den Punkt.
Erwartungsgemäß zog sich eine Frage wie ein roter Faden durch die Themenblöcke: Wie geht die Musikindustrie und speziell Ibiza mit der Wirtschaftskrise um? Antworten zur Musikindustrie: Für Labels und Künstler werden digitaler Vertrieb, 360-Grad-Deals, aber auch bislang eher wenig genutzte Erlösquellen wie Lizenzierung der Musik für Filme, Spiele, Werbung und andere Kanäle immer wichtiger. Musikbusiness-Guru Ted Cohen betonte allerdings: „Die Rezession hat einen Markt geschaffen, der eher song- als künstlerbasiert ist.“ Sprich: In der Krise wird Cherrypicking betrieben; es wird eher ein Track als ein Album gekauft. Folglich muss es darum gehen, das Hit-Geschäft nicht aus den Augen zu verlieren – ein in Long Tail-Zeiten schon fast vergessen geglaubtes Konzept. Wie gut das funktionieren kann, beweist Infinity 2008 von Guru Josh, den wir auf dem IMS interviewt haben. Auf sage und schreibe 190 Compilations ist der Track zu finden und ist – ein Jahr nach Veröffentlichung in Deutschland – und klettert gerade die US-Dancecharts hoch. Paul Walden aka Guru Josh dazu: “Unglaublich, oder? Ich meine, die Nummer heißt Infinity 2008. Wir haben 2009. Juni! Dass so etwas überhaupt vom Namen her funktionieren kann… aber der Track hat halt etwas Magisches. Und viele jüngere Leute kennen das Original gar nicht, weil sie einfach später geboren sind, die jetzige Version ist ihr erster Kontakt mit Guru Josh. Hier in Spanien bin ich unter den Kids bekannt wie ein bunter Hund, weil ich in der Klingeltonwerbung zu sehen bin.”
Und wie geht Ibiza mit der Krise um? Viele Konferenzteilnehmer vermuten, dass es hart wird für die Clubszene. Freier Eintritt im teuersten Monat August, reduzierte Getränkepreise, und neue Partyreihen, die so schnell verschwinden, wie sie auftauchen – darüber diskutierten die Branchenkenner. Doch ein Verband, der die Interessen der viel Geld in die Kassen spülenden Tanzgastronomien (Sperrstunden, Personenkapazität, Outdoorbereiche…) gegenüber der zuletzt rigide agierenden Inselverwaltung vertritt? Was in Berlin und anderen Städten längst existiert, ist auf Ibiza in weiter Ferne. Ibiza, das ist bekannt, ist keine einheitliche Partyinsel, sondern besteht aus mitunter spinnefeinden Regionalfürsten. Man wird sehen, wie lange diese Haltung bestehen kann in Zeiten, wo eine Branche eigentlich geschlossen auftreten müsste. Die Partyreihe Cream im Amnesia jedenfalls legt vor und reduziert seine Ticketpreise um bis zu 40%. Sind die fetten Jahre vorbei? Eine Konsolidierung soll ja noch keiner Branche dauerhaft geschadet haben – und ihren Kunden, hier also Musik- und Partyfans, dürfte es recht sein. Back to the roots, back to the music: „Die Musik selbst wird jetzt zum ultimativen Marketingtool, nicht die Promotion drumherum. Durch die Präsenz der Musik im Internet kann jeder heute sehr genau nach seinem Geschmack wählen“, so Label-Consultant und Ex-London Records-Besitzer Peter Koepke. Heißt aus Business-Sicht: Das Produkt, der DJ, der Künstler ist die Marke selbst. Gute Musik ist besser.
Die virtualnights-Highlights des IMS: Richie Hawtins provozierende und erfrischende Aussagen im Keynote-Interview, das anekdotenreiche Panel-Auftritt von Louis Puig (Space, Miami), das Showcase Rekids vs. Barraca im Grial, das „Underage Clubbing“-Konzept Let´s Go Crazy von Callum Negus-Fancey, der faszinierende Reactable und last but not least der glückliche Blick des Guru Josh-Saxophonisten, nachdem unsere Fotoscouts Alexander Fischer und Frederick Jäger seine von ihm versehentlich gelöschten Tourneebilder der letzten drei Monate erfolgreich wiederherstellen konnten. Wir kommen wieder: IMS 2010 findet vom 26. bis 28. Mai statt. Mehr Bilder vom IMS in Kürze!



